Webspinnen - Vogelspinnenartige Teil 4

Gefährliche Spinnen

 

Unterschieden werden muss zwischen neural wirkenden (Neurotoxinen) und nekrotisch, also zellzersetzend wirkenden Giften. Das Gift der in Amerika und Afrika beheimateten Loxosceles-Arten wirkt zusätzlich hämolytisch. Dabei sind die meisten Gifte der Spinnen nicht zum Töten gedacht, sondern zum Betäuben, um die Beute lebend als Vorrat zu konservieren. Erst der Verzehr oder ein Tötungsbiss tötet die Beute.

Nur wenige in Mitteleuropa beheimatete Spinnen sind aufgrund ihrer Größe überhaupt in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Die durch die Öffnung der Cheliceren injizierte Dosis an Gift ist minimal, auch wenn die Gifte hochwirksam sind. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, von einer Spinne gebissen zu werden, verschwindend gering, denn Spinnen ergreifen zunächst die Flucht und stellen sich tot (Schreckstarre).

Die einzige heimische Spinne, deren Biss eine gewisse medizinische Relevanz hat, ist der nur regional verbreitete Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium). Der Biss ist in erster Linie recht schmerzhaft. In seltenen Fällen wurde von Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen berichtet, seltener auch von Fieber und Schüttelfrost. Die Symptome klingen nach etwa drei Tagen ab. Die Bissstelle kann aber noch längere Zeit geschwollen oder gerötet sein. Die in Amerika gefürchtete und dort eingeschleppte Feldwinkelspinne (Tegenaria agrestis) bringt es immerhin auf leichte lokale Symptome wie Taubheitsgefühl, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden und nur Allergikern Unannehmlichkeiten bereiten. Die Feldwinkelspinne ist in Mitteleuropa verbreitet, aber nicht sehr häufig, Bissunfälle wurden aus Europa bislang nicht bekannt.

Große Exemplare der Kreuzspinne (Araneus diadematus) bringen es immerhin bis zu einem folgenlosen, manchmal schmerzhaften Zwicken, das nur in größter Not angewendet wird und sehr selten ist. Ähnlich wirkt das Gift der Wasserspinne (Argyroneta aquatica), die allerdings aufgrund ihrer Lebensweise mit dem Menschen kaum in Berührung kommen wird. Ein europäischer Vertreter der Schwarzen Witwen ist die in den Mittelmeerländern vorkommende Latrodectus tredecimguttatus. Die auch irreführend und falsch „Malmignatte“ genannte Spinne baute ihr Netz früher oft unter Toilettendeckeln einfacher Latrinen aufgrund des hohen Insektenaufkommens, das sich dort einstellte; bei der Latrinenbenutzung ist es gelegentlich zu Giftbissen gekommen.

Einige Vertreter der Gattung Echte Witwen (Latrodectus) wie beispielsweise die in Nord- und Südamerika beheimatete „Schwarze Witwe“ (L. mactans) oder die australische Red Back Spider (L. hasselti) besitzen starke Gifte, so dass deren Biss für kranke Menschen, zum Beispiel für Allergiker, lebensgefährlich werden kann. Vom eigentlichen Biss einer Schwarzen Witwe ist zunächst nichts zu spüren. Daher bleibt der Biss oft unbemerkt, und später werden völlig harmlose Tiere zu Unrecht beschuldigt.

Selbst Bisse der in Australien in der Region um Sydney beheimateten Atrax robustus verlaufen meist glimpflich. Da diese Art ein ausgesprochener Kulturfolger ist, kommt es häufig zu Begegnungen mit ihr. Trotzdem wurden seit 1927 nur 13 Todesopfer gezählt.

Früher kam es bei der Einfuhr von Südfrüchten auch gelegentlich zu Bissunfällen durch Bananenspinnen (Phoneutria spp.). Da die Früchte heute vor dem Export meist mit Insektiziden begast werden, ist das selten geworden. Phoneutria keyserlingi und Phoneutria nigriventer aus der Familie der südamerikanischen Kammspinnen besitzen das Neurotoxin mit der höchsten Letalität. Der lebensgefährliche Biss dieser zum Teil ungewöhnlich aggressiven Spinnen muss stets mit einem Antiserum behandelt werden.

Größtenteils ungefährlich sind die gemeinhin gefürchteten Vogelspinnen. Nur wenige Arten (z. B. Poecilotheria spp., Haplopelma lividum) sind in der Lage, eine für gesunde Menschen stärkere Giftwirkung mit Schüttelfrost, Lähmungen und Krämpfen auszulösen. Allergiker müssen sich allerdings auch vor harmloseren Vogelspinnen in Acht nehmen, deren Bisswirkung oft mit einem Bienenstich verglichen wird. Der primäre Schmerz selbst, welcher durch den reinen Biss entsteht, ist allerdings nicht zu unterschätzen, da die Beißwerkzeuge (Cheliceren) von großen Arten wie Theraphosa blondi eine Länge bis zu 2,5 cm erreichen können. Neuweltliche Arten der Unterfamilien Theraphosinae und Aviculariinae besitzen Brennhaare, die sie zum Teil auf Aggressoren schleudern können. Diese speziellen Haare, die mit Widerhaken versehen sind und sich in Augen und Schleimhäuten festsetzen können, werden nur bei neuweltlichen Gattungen wie beispielsweise Brachypelma, Theraphosa und Avicularia versicolor durch das sogenannten Bombardieren verteilt. Hierbei streift die Spinne mit ihrem letzten Beinpaar in schnellen ruckartigen Bewegungen über ihren Hinterleib (Opisthosoma) und „bürstet“ die leicht abbrechenden Haare dem potentiellen Angreifer entgegen. (BERTANI et al. 2003) Diese Brennhaare führen zu starken Reizungen und allergischen Reaktionen.